Beitrag ursprünglich erschienen bei Freie Welt
Foto: Screenshot Youtube/The Napa Institute
Kardinal Robert Sarah hat in einer eindringlichen Rede im Europäischen Parlament am 15. Juli die Gender-Ideologie und den islamischen Fundamentalismus als existenzielle Bedrohungen für die Familie und die gesamte Menschheit bezeichnet.
Der Kardinal sprach vor Vertretern der europäischen Institutionen und afrikanischen Partnern und verband seine Kritik mit einem klaren Blick auf die Folgen für Gesellschaft, Kultur und Glauben.
Apokalyptische Bestien: Der gemeinsame Angriff auf die menschliche Natur
Sarah erinnerte daran, dass er bereits 2015 bei der Bischofssynode zur Familie vor genau diesen Kräften gewarnt hatte. Er bekräftigte seine damalige Einschätzung ohne Abstriche: „Im Jahr 2015, während der Synode über die Familie, sagte ich, und ich nehme heute kein einziges Wort zurück, dass ‚Gender-Ideologie und islamischer Fundamentalismus jeweils auf ihre Weise zwei apokalyptische Bestien darstellen, die nicht nur die Familie, sondern auch die Menschheit selbst, das Bild Gottes, zu zerstören drohen‘.“
Viele hätten dieses Bild damals für übertrieben gehalten. Sarah hält daran fest und stellt eine tiefer liegende Frage: „Einige hielten dieses Bild für übertrieben. Ich glaube weiterhin, dass es etwas Wahrheit enthält. Könnte es sein, dass diese Kräfte, obwohl sehr unterschiedlich in Ursprung und Form, den Vorwand teilen, die Menschheit nach ihrem eigenen Geschmack neu zu schreiben?“ Einer berufe sich dabei auf Fortschritt, der andere auf eine ursprüngliche Reinheit – doch beide leugneten letztlich Religionsfreiheit und Menschenwürde.
Vom Fortschritt zur Macht – und von der Reinheit zur Unterdrückung
Trotz aller Unterschiede teilen die beiden Ideologien nach Sarahs Analyse ein entscheidendes Merkmal: Sie behandeln den Menschen nicht als geschaffenes Wesen mit unverfügbarer Würde, sondern als Material, das sich nach ideologischen Vorgaben umformen lässt. Die eine Seite nutzt internationale Organisationen und finanzielle Abhängigkeiten, um afrikanischen Ländern Geschlechtervorstellungen aufzuzwingen, die ihrer eigenen kulturellen und religiösen Überzeugung widersprechen. Die andere Seite instrumentalisiert Glauben und Tradition, um Kontrolle auszuüben.
Die Schöpfungsordnung als Fundament der Würde
Die katholische Lehre geht davon aus, dass Gott jeden Menschen im Augenblick der Empfängnis als Mann oder Frau erschafft. Das Geschlecht prägt den ganzen Menschen – körperlich, seelisch und geistig – und ist keine beliebige Zuschreibung. Bereits 1975 warnte ein vatikanisches Dokument davor, diese Ordnung zu missachten: Es könne keine echte Förderung der menschlichen Würde geben, wenn die wesentliche Ordnung der Natur nicht respektiert werde. Körperliche Eingriffe, die diese Ordnung zerstören, gelten als moralisch unzulässig.
Europas Selbstzerstörung durch ideologisch verzerrte Rechte
Sarah beschrieb, wie Europa durch die Erhebung bestimmter Forderungen zu vermeintlichen Grundrechten seinen eigenen geistigen Boden untergräbt. Er sagte: „Wenn Europa ‚Rechte‘ konstruiert, die von der Wahrheit über die menschliche Person losgelöst sind – Abtreibung, die einige zu einem ‚Grundrecht‘ erheben möchten, ‚sexuelle Identität‘, die auf reine subjektive Selbstkonstruktion reduziert wird – wird die Vernunft selbst von einem Instrument zur Kenntnis der Wahrheit verzerrt, sie wird zu einem Instrument der Macht, das sich durch die Kraft des Gesetzes und des Geldes denjenigen aufzwingen kann, die diese Versprechen nicht teilen.“
Aufbau der Heimat statt Entwurzelung der Völker
Der Kardinal wandte sich auch gegen die Vorstellung, dass Massenmigration und Multikulturalismus die einzig mögliche Antwort auf Not und Konflikte seien. Er betonte: „Ich sage noch einmal, dass wir zusammenarbeiten müssen, um die Nationen wieder aufzubauen, die Opfer von Krieg, Korruption und Ungerechtigkeit geworden sind, aber das bedeutet nicht, die Entwurzelung von Völkern und die Zerstörung von Nationen zu fördern.“ Manche beriefen sich dabei auf das Wort Gottes und die Pflicht zur Gastfreundschaft, um eine Politik zu rechtfertigen, die letztlich die Identität sowohl der Herkunfts- als auch der Aufnahmeländer schwäche.







