Am Kardinal-von-Galen-Gymnasium im Wallfahrtsort Kevelaer erhielten Schüler der achten Klasse im Mai 2026 eine Gruppenarbeit, die bundesweit Empörung auslöste. Die 13- bis 15-Jährigen sollten im Sexualkundeunterricht ein fiktives Bordell modernisieren: einen „Puff für alle“, ein „Freudenhaus der sexuellen Lebenslust“.
Die Arbeitsblätter verlangten unter anderem Antworten darauf, welches inhaltliche Angebot bereitstehen müsse, für welche Personengruppen welche Voraussetzungen nötig seien, wie das Haus von außen wirken solle, wer dort arbeiten und welche Fähigkeiten die Beschäftigten brauchen würden, um „alle möglichen Menschen“ zufriedenzustellen. Besonders umstritten war die Frage, welche sexuellen Vorlieben in welchen Räumen wie bedient und angesprochen werden müssten.
Die Blaupause aus einem umstrittenen Methodenbuch
Die Aufgabe stammte nahezu wortgleich aus dem Methodenbuch „Sexualpädagogik der Vielfalt“ von Elisabeth Tuider und Mitautoren. Das 2008 erstmals und 2012 überarbeitet erschienene Werk versteht sich als Praxishandbuch für Schule und Jugendarbeit. Es setzt bewusst auf den Durchbruch der Schamgrenze bei Kindern und Jugendlichen: Heterosexualität soll als Norm infrage gestellt, Vielfalt von Identitäten, Beziehungen und Lebensformen eingeübt werden.
Die Autoren sprechen von dekonstruktivistischer und (neo)emanzipatorischer Sexualpädagogik; geistiger Bezugspunkt ist unter anderem Uwe Sielert mit der Forderung, Heterosexualität, Generativität und Kernfamilie zu „entnaturalisieren“. Weitere Übungen im Buch lassen Zwölfjährige Sätze zu Liebe und Sex vervollständigen oder Vierzehnjährige Gegenstände für Bewohner eines fiktiven Mietshauses ersteigern – darunter Sexspielzeug und Fetischartikel. Eine klassische Familie mit Mutter, Vater und Kindern fehlt in dem Szenario bewusst. Nach früherer Kritik war das Buch von einzelnen Empfehlungslisten genommen worden. In Kevelaer tauchte das Material trotzdem wieder auf.
Kinderschutz war gestern: Auch im öffentlichen Raum sind die Hemmungen längst gefallen
Der Fall steht nicht allein. Im öffentlichen Raum fallen Hemmungen weiter. Auf CSD-Paraden sind Fetisch- und Lackausrüstungen, Harness und BDSM-Ästhetik für Passanten einschließlich Kinder sichtbar; selbst Stimmen aus der Szene haben das als Grenzüberschreitung kritisiert. Parallel etablieren sich Drag-Queen-Lesungen in Stadtbibliotheken und Kulturhäusern: In Münster las im März 2026 eine Drag-Queen Kindern aus Büchern vor, die queere Familienformen und „genderfreie“ Figuren thematisieren; ähnliche Angebote gibt es in Düsseldorf, Berlin und anderen Städten, oft mit kommunaler Förderung. Offiziell geht es um Toleranz und Vielfalt. Tatsächlich handelt es sich um eine gezielte Infragestellung der Zweigeschlechtlichkeit vor einem minderjährigen Publikum, das die Unterscheidung zwischen Kostüm und Botschaft noch nicht leisten kann.
Ein weiterer Vorfall aus Sachsen zeigt, wie dünn die Grenze zu eindeutig ungeeignetem Material geworden ist: An einer Oberschule in Schleife wurde im Rahmen einer Projektwoche Material gezeigt, das Eltern als pornografisch beschrieben; die Schule brach ab, die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der Verbreitung pornografischer Inhalte an Minderjährige. Auch hier waren externe Anbieter im Spiel.
Die christliche Gegenrede
Gegen diese Entwicklung formiert sich naturgemäß christlicher Widerstand. Dieser setzt nicht bei Parteipolitik an, sondern bei Grundsätzen, die über Legislaturperioden hinausreichen.
Erstens die Bewahrung der Schöpfungsordnung nach dem Buch Genesis: Gott schuf den Menschen als Mann und Frau. Eine Aufklärung, die Geschlechtsidentitäten als fließend oder frei wählbar darstellt, widerspricht dieser gegebenen Binarität. Gender-Theorie erscheint hier nicht als neutrale Beschreibung, sondern als Ersatzordnung.
Zweitens das vorrangige Erziehungsrecht der Eltern. Die primäre Verantwortung für die Erziehung liegt bei der Familie, nicht bei Schule oder Staat. Programme, die Minderjährige zwingen, sich in fremde sexuelle Lebensformen und Praktiken hineinzudenken, sind als unzulässiger Eingriff und als Indoktrination zu werten.
Drittens der Schutz der kindlichen Unschuld. Kinder brauchen Zeit und klare Grenzen. Eine zu frühe Konfrontation mit komplexen sexuellen Themen, Bordell-Szenarien oder fetischisierter Ästhetik überfordert sie und kann die natürliche Entwicklung nachhaltig stören. Was eine zu frühe, ideologisch gesteuerte Sexualpädgogik bei Kindern anrichtet, sieht man unter anderem an den explosionsartig gestiegenen Zahlen von Minderjährigen mit sogenanntem „Transitionswunsch“. Also dem Wunsch, die natürliche Geschlechtsentwicklung (häufig) medikamentös zu unterbrechen und anschließend im anderen Geschlecht dauerhaft zu leben. Die Pharmaindustrie dankt.
Viertens die Definition von Ehe und Familie. Nach christlichem Verständnis ist die Ehe der Bund zwischen Mann und Frau, ausgerichtet auf Treue und Nachkommenschaft. Eine Pädagogik, die andere Partnerschaftsmodelle als gleichrangig und selbstverständlich präsentiert, entwertet dieses Leitbild.
Fünftens die biblische Sexualethik. Sexuelle Handlungen außerhalb der Ehe von Mann und Frau gelten in konservativer Theologie als Sünde. Eine Darstellung, die LGBT-Lebensweisen als völlig gleichwertig, natürlich oder erstrebenswert behandelt, steht dazu im Widerspruch.
Wo bleiben die Kirchen?
Angesichts solcher Fälle drängt sich die Frage auf, wo die Kirchen bleiben. Ein Gymnasium, das den Namen eines katholischen Kardinals trägt, setzt Material ein, das selbst das zuständige Ministerium später als ungeeignet bezeichnet – und die Amtskirchen formulieren oft nur allgemeine Appelle zu Respekt und Vielfalt. Wer die Schöpfungsordnung, das Elternrecht und den Schutz der Unschuld ernst nimmt, müsste hier deutlicher sprechen, statt das Feld jenen zu überlassen, die aus Gender-Theorie eine staatlich mitgetragene Ersatzreligion gemacht haben. Der Protest aus Elternhäusern und bürgerlichen Kreisen wächst mit jeder neuen Meldung. Die Experimente an den Jüngsten gehen trotzdem weiter.






