Foto: Papst Leo XIV / Screenshot YouTube, Vatikan News
Beitrag ursprünglich erschienen bei Freie Welt
In seiner Neujahrsansprache hat Papst Leo XIV. die zunehmende Einschränkung der Meinungsfreiheit in westlichen Staaten scharf kritisiert. Er sieht einen „orwellschen“ Beigeschmack der Sprache, die unter dem Deckmantel der Inklusion Andersdenkende ausgrenzt.
Die Warnung des Papstes erinnert stark an die schonungslose Abrechnung, die US-Vizepräsident J.D. Vance im vergangenen Jahr auf der Münchener Sicherheitskonferenz vortrug. Gespickt mit praktischen Beispielen staatlicher Oppression führte Vance den vor versammelten indignierten Staatschefs und Militärs den bedrohlichen Zustands der Redefreiheit vor Augen. Der ebenfalls wie Vance aus den USA stammende Leo XIV. greift damit ein Thema auf, das in linksliberalen Machtkreisen und von dem Davoser Elfenbeinturm mit allen Mitteln unterdrückt und tabuisiert wird: Die schleichende Erosion grundlegender Freiheiten durch ideologische Zwänge, juristischem Dauerfeuer gegen die Opposition und Einschüchterung regimekritischer Bürger.
Augustinus‘ Erbe: Ein Papst fordert die Rückkehr zu ewigen Wahrheiten
Inspiriert vom Werk des heiligen Augustinus aus dem 5. Jahrhundert, „De Civitate Dei“ – das Papst Benedikt XVI. einst als wegweisend für das abendländische politische Denken und die christliche Geschichtstheologie einstufte –, hat Leo XIV. vor Diplomaten über die drängenden Herausforderungen unserer von Konflikten gezeichneten Zeit nachgedacht. Er plädiert für ein gerechteres und friedlicheres Zusammenleben der Völker, das auf ethischen Grundsätzen basiert: Das sind die Ablehnung eines sogenannten „Rechts auf Abtreibung“ über die Verurteilung von Leihmutterschaft bis hin zur aktiven Sterbehilfe.
Orwellsche Färbung: Wie „inklusive“ Sprache zur Waffe gegen Freiheit wird
Besonders aufhorchen lässt Leos Verteidigung der uneingeschränkten Meinungsfreiheit, die er mehrmals betont. Im Kontrast zum dezidiert linksideologischen, globalistisch eingestellten Franziskus, der nach dem islamistischen Anschlag auf Charlie Hebdo 2015 warnte, man dürfe Religionen nicht provozieren oder beleidigen, da dies eine gewaltsame Reaktion wie eine „Faust“ auslösen könne, setzt Leo Freiheit absolut. In seiner Rede heißt es wörtlich: „Die Rede- und Meinungsfreiheit wird gerade durch die Gewissheit der Sprache und die Tatsache garantiert, dass jeder Begriff in der Wahrheit wurzelt. Es ist daher bedauerlich festzustellen, dass insbesondere im Westen der Raum für echte Meinungsfreiheit immer mehr eingeschränkt wird, während sich eine neue Sprache mit orwellschem Beigeschmack entwickelt, die in ihrem Bestreben, immer inklusiver zu sein, darin mündet, diejenigen auszuschließen, die sich nicht den Ideologien anpassen, von denen sie beseelt ist.“
Gewissensfreiheit in westlichen Staaten in Gefahr
Dieser Schlag gegen die Tendenz linker Ideologen, unter dem Vorwand „herabwürdigender Sprache“ Meinungen zu zensieren und zu kriminalisieren, hallt nach. Leo sieht in der Umkehrung von Begriffen, wie in George Orwells „1984“ beschrieben, eine Bedrohung, die zu weiteren Einschränkungen führt, beginnend bei der Gewissensfreiheit. Er erklärt: „Aus dieser Fehlentwicklung ergeben sich leider weitere, die dazu führen, dass die Grundrechte des Menschen beschnitten werden, angefangen bei der Gewissensfreiheit. In diesem Zusammenhang ermöglicht es die Verweigerung aus Gewissensgründen dem Einzelnen, gesetzliche oder berufliche Verpflichtungen abzulehnen, die im Widerspruch zu moralischen, ethischen oder religiösen Grundsätzen stehen, die tief in seinen persönlichen Überzeugungen verwurzelt sind.“ Als Beispiele nennt er die Verweigerung des Militärdienstes aus Gewaltlosigkeit oder die Ablehnung von Abtreibung und Euthanasie durch Mediziner – eine Perspektive, die den Individualismus der Moderne als potenziellen Freiheitskiller entlarvt.
Linke erfinden immer neue sogenannte „Rechte“, um das Naturrecht zu zerstören
Ergänzend zu seiner Rede hat Papst Leo XIV. auf X eine prägnante Warnung gepostet, die den Konflikt auf den Punkt bringt: „Im gegenwärtigen Kontext kommt es zu einem regelrechten ‚Kurzschluss‘ der #Menschenrechte. Das Recht auf Meinungsfreiheit, auf Gewissensfreiheit, auf Religionsfreiheit und sogar auf Leben wird im Namen anderer sogenannter neuer Rechte eingeschränkt, was dazu führt, dass das System der Menschenrechte selbst an Kraft verliert und Raum für Gewalt und Unterdrückung öffnet. Dies geschieht dann, wenn jedes einzelne Recht selbstreferenziell wird und insbesondere dann, wenn es seine Verbindung mit der Wirklichkeit der Dinge, mit deren Natur und mit der Wahrheit verliert.“
Diese Worte unterstreichen, wie der Papst die Gefahr sieht, dass Religionsfreiheit unterdrückt wird – eine Krise, die er als eine der größten menschenrechtlichen Katastrophen unserer Zeit bezeichnet, von der weltweit über 380 Millionen Christen betroffen sind. Im Gegensatz zu Franziskus‘ Beschwichtigungspolitik gegenüber dem Islam nennt Leo die Täter klar: „An dieser Stelle möchte ich besonders an die zahlreichen Opfer der auch religiös motivierten Gewalt in Bangladesch, in der Sahelzone und in Nigeria denken, ebenso wie an die Opfer des schweren Terroranschlags vom vergangenen Juni auf die Pfarrei St. Elias in Damaskus, ohne dabei die Opfer der dschihadistischen Gewalt in Cabo Delgado in Mosambik zu vergessen.“
Vom ungeborenen Kind bis zur Familie: Die Kirche als Schutzschild der Schwachen
Zentral widmet sich das Kirchenoberhaupt dem Lebensschutz, der mit den aufstrebenden linken Kräften in Europa und den westlichen Staaten schwer unter Druck geraten ist: „Das vorrangige Ziel“, so der Papst, „muss weiterhin der Schutz eines jeden ungeborenen Kindes und die wirksame und konkrete Unterstützung einer jeden Frau sein, damit sie das Leben annehmen kann.“ Öffentliche Gelder sollten nicht für Abtreibungen, sondern für Mütter und Familien fließen. Leihmutterschaft verurteilt er als Kommerzialisierung der Schwangerschaft, die Kind und Mutter entwürdige.
Leo XIV. erweist sich als politischer Papst, der zumindest im Rückgriff auf theologische Grundpositionen wahrhaftiger erscheint: Im Unterschied zu Franziskus‘ berechenbarer regelmäßig linksideologischer Einfärbung ist Leos Rede von bemerkenswert zupackender Klarheit, die ihn zumindest vordergründig als potentiellen Verbündeten für zentralistisch und globalistisch gesteuerte Elitenpolitik unwahrscheinlich erscheinen lassen. Manche Diplomaten, vor allem deutsche Vertreter, mögen bei seinen Worten gezuckt haben, doch seine Botschaft ist klar: Ohne Rückkehr zur Wahrheit droht der Untergang der Freiheiten.








1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort
Naturrecht? – Wo ist das denn kodifiziert?